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Rezension: Achtung, Milchpiraten von Kai Lüftner

lüftnerachtungmilchpiratenIrgendwo in der Ostsee liegt die wie ein Schweineohr geformte Insel Pong, auf der die Milchpiraten leben. Am lang ersehnen ersten Ferientag trifft sich die Jungenbande um ihren Anführer Matz im Garten von Bruno, dessen Eltern für ein paar Tage nicht zuhause sind. Die sturmfreie Bude soll ausgiebig am Lagefeuer mit Würstchen und Süßigkeiten genutzt werden.  Doch ganz so idyllisch, wie gehofft, entwickelt sich der Nachmittag dann doch nicht. Dicke Beulen, kaputte Brillengläser und zersplitterte Türrahmen sind nur einige unliebsame Folgen, die das gemeinsame Fest zur Folge hat. Und als ob das nicht schon ärgerlich genug ist, kündigt sich völlig unerwartet  Brunos Oma für einen Kontrollbesuch an. Eifrig versuchen Mats, Bruno und die anderen Bandenmitglieder noch rechtzeitig wieder alles in Ordnung zu bringen.

Spannende und lustige Erzählung ohne Höhepunkt

Der Auto Kai Lüftners benutzt in seinem Buch Achtung, Milchpiraten einen sehr unterhaltsamen und mit lustigen Pointen besetzen Sprachstil. Immer wieder wechselt sich der Erzählerteil mit den Einträgen aus Mats‘ Logbuch ab. Die persönlichen Einträge aus dem Logbuch des Bandenführers sind dabei in witziger kindlicher Ausdrucksweise geschrieben. So gestaltet sich der Verlauf der Geschichte sehr kurzweilig und es gibt genügend Möglichkeiten, das Buch beim allabendlichen (Vor-)lesen häppchenweise einzuteilen. Viel Witz beweist Lüftner auch dadurch, dass vermeintliche Kleinigkeiten, wie Brunos dicke Beule, immer wieder unerwartet angesprochen werden. Diese Running Gags lockern viele Situationen dadurch witzig auf.

Es fehlt allerdings an einem richtigen Höhepunkt in der Geschichte und vor allem ein spannendes Ende. Die Geschichte nimmt durchaus spannend und unterhaltsam seinen Lauf, hat aber kein richtiges Ziel. Urplötzlich verschwinden die Freunde aus dem Garten und Mats und Bruno räumen noch etwas Chaos beiseite, bevor die Geschichte zu Ende ist. Der auf der sehr schönen Inselkarte eingezeichnten Leuchtturm von Opa Fips oder der ebenfalls dort erwähnte donnergrollige Rumpelkönig von Polter Eiländ mit seiner Tochter, der fiesen Luise, auf die der Leser dann auch wartet, tauchen leider überhaupt nicht auf.

Echte Persönlichkeiten

Lüftner schafft es, seine Figuren sehr detailliert darzustellen und somit der Geschichte auch ein Höchstmaß an Authentizität zu geben. Anders als in vielen anderen Kinderbüchern, wo Geschichten ausschließlich erzählt und die Personen nur beschrieben werden, wird den Milchpiraten durch ihre  Gedanken, Handlungen und Gefühle Leben eingehaucht, womit sie selber Teil der Geschichte werden. Wenn der dicke Tetje genüsslich seine Gummibärchen-Brötchen-Pampe kaut, der labile Birk wieder einen Hustenanfall bekommt oder Bruno seine Aggressionsschub, dann spürt der Leser förmlich die Anwesenheit der Jungs.

Originelle Illustration

Besonders auffällig ist die Illustration von Achtung, Milchpiraten. Das Titelbild, wie auch die vielen Zeichnungen im Buch sind orangefarbig gehalten, was der Lebendigkeit der Bilder aber nicht schadet und auf den Gesamteindruck sehr positiv und ansprechend auswirkt. Hier und da hatte ich aber den Eindruck, dass die für die Illustration verantwortliche Judith Drews unterschiedliche Tagesformen bei ihrem Werk hatte. So gibt es neben der Vielzahl an lebendigen und unterhaltsamen Bildern auch einige eher konservativ gezeichnete Situationen, die mich stark an meine Ausmalvorlagen im Religionsunterricht zur Kommunion erinnerten. Sehr originell ist die Idee, die Einträge aus Mat‘s Logbuch auch in orange zu schreiben, was das Lesen sehr auflockert.

Fazit:

Guuuuut (mit vier u). Auch wenn die Abenteuer der Geschichte nicht ganz dem gerecht werden, was die spannend gezeichnete Insel vorgibt (was zu einer kleinen Abwertung beim Kulturmeter führt), so ist Kai Lüftners Kinderbuch Achtung, Milchpiranten absolut empfehlenswert. Die auflockernde Illustration, das abwechselnde Erzählen mittels Erzäherlteil und kindlichem Tagebuchschreiben und die witzigen Charakteren machen das Buch zu einem sehr spannenden und unterhaltsamen Buch zum Vor- und Selberlesen. Empfohlen wird das Buch für Kinder zwischen sechs und acht Jahren. Ich bin aber der Meinung, dass auch ältere Kinder daran Spaß haben werden.

Erschienen ist das 100-seitige Kinderbuch im Verlag Bloomsbury Kinderbücher & Jugendbücher und kostet 12,99€. Wer weitere Rezensionen zu Kai Lüfners Kinderbuch Achtung, Milchpiraten lesen möchte, wird auf bloggdeinbuch.de fündig.

kulturmeter4

 

 

 

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