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Rezension: Das fünfte Opfer von Bettina Wagner (eBook)

Auf  Wiener Großbaustellen werden nach und nach ermordete Prostituierte gefunden. Die Ermittlungen der für die Aufklärung dieser mysteriösen Morde eingeteilte Kommissarin Mittermann führen nicht zum erwünschten Ziel. Auch weil es im Ermittlerteam persönliche Differenzen gibt, die ein effizientes Ermitteln kaum möglich machen.

Eigentlich spricht alles dafür, dass der Kriminalroman Das fünfte Opfer von Bettina Wagner ein außergewöhnlicher und spannender Lesegenuss ist. Mit der Österreichischen Hauptstadt Wien hat sich die Autorin eine stimmungsvolle Kulisse gewählt, die spätestens seit Alfred Hitchcocks Klassiker Der dritte Mann von 1949 als einer der atemberaubendsten Orte für Krimis und Thriller zählt. Auch die selbstbewusste, starke und gleichzeitig zerbrechliche Protagonistin ihres Krimis, die Kommissarin Marlies Mittermann, ist ein moderner Ermittlertyp, von dem der Leser sich anregende Dialoge und außergewöhnliches Vorgehen versprechen könnte.

Doch leider – ich greife da dem Fazit schon einmal vorweg – will der Funke bei mir nicht überspringen. Bettina Wagner hat es in Ihrem Kriminalroman Das fünfte Opfer nicht geschafft, ein besonderes und spannendes Werk vorzuzeigen. So nutzt die Autorin nicht ansatzweise dem stimmungserzeugenden Wiener Flair. Kein Caféhaus, kein Kopfstein, kein Prater und keine Droschke. Wenn in der Geschichte das Wort Wien gegen Wanne-Eickel ausgetauscht werden würde, würde sich an der Stimmung nichts ändern. Auch wirkt die Protagonistin sehr konstruiert und stereotyp. Ein kluge und moderne Frau, die sich alleine in der Männerwelt der Wiener Polizei durchsetzen muss. Sie wirkt wie eine Mischung aus Jane Rizzoli aus Tess Gerritsens Rizzoli and Isles Krimis und Lena Odenthal vom Ludwigshafener Tatort. Leider wird dem Leser wenig Möglichkeit gegeben, mit der Figur der Kommissarin warm zu werden. Während des ganzen Falls wirkt sie versteckt und unnahbar hinter einem Schleier aus beruflichem Selbstzweifel und privater Frustration. Eine Stimmung, die sich leider sehr dominant über den kompletten Kriminalroman erstreckt. Bettina Wagner hat sich bei der bisweilen düsteren Beschreibung Ihrer Protagonistin so sehr ins Zeug gelegt, dass mich zeitweise das Gefühl beschlich, dass Sie darüber hinaus bei den anderen Figuren und Handlungen etwas an Hingabe hat missen lassen.

Fazit:

Bettina Wagners  Kriminalroman Das fünfte Opfer ist ein durchaus gut konstruierter Kriminalfall mit modernem Ermittlertyp und eindrucksvoller Kulisse. Doch leider wirkt alles sehr konstruiert und bemüht. Es fehlt an stimmungsvollen Elementen und unterhaltsamen Handlungen. Ein Krimi, mit dem man sich die Zeit vertreiben kann, der aber nicht lange in Erinnerung bleiben wird. Von mir gibt es auf dem Kulturmeter daher nur drei von fünf Kreuzchen.

Erschienen ist das ca. 165seitige eBook am 31. Oktober 2016 im Stuttgarter Verlag dp DIGITAL PUBLISHERS (ISBN: 9783960870586).

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