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Rezension: Unsterblich ist der Tod von Morten Lund

unstreblichistdertodmortenlund120Mit Unsterblich ist der Tod von Morten Lund darf ich einen Schwedenkrimi der bizarren Art rezensieren. Außergewöhnliche Todesfälle, skurrile Verdächtige und ein nicht alltäglicher Ermittler sorgen für ein besonderes kriminalistisches Leseereignis.

Der Stockholmer Kommissar Kodi Blom muss gemeinsam mit seiner Kollegin Eva Pelle eine Reihe außergewöhnliche Morde klären, die sich in Schwedens Hauptstadt ereignen. Die Mordserie beginnt mit einer fachmännisch ausgestopften Leiche in der Uniform eines hochrangigen SS-Offiziers, und auch die folgenden Todesfälle sind alles andere als alltäglich. Schnell tauchen die Ermittler in das schwedische Neonazi-System, welches zum Teil aus unterschiedlichen, nicht gerade befreundeten Flügeln besteht. Die Ermittlungen scheinen sich im Kreise zu drehen, denn selbst die absurd anmutende Spur zu Feen-Seher in Island scheint Sinn zu machen. Als Blom endlich Motiv und Täter erkennt, ist es fast zu spät und es kommt zu einem gefährlichen und tödlichen Treffen in der schwedischen Wildnis.

Die Geschichte spielt in einem ungewöhnlichen, weil eher unbekannten Umfeld. Spätestens seit den Anschlägen des Norwegers Anders Behring Breivik am 22. Juli 2012 in Norwegen mit 77 Toten ist zwar bekannt, das rechtsradikales Gedankengut und Neonazitum im eigentlich als liberal und friedlich bekannten skandinavischen Raum ein großes Problem sind. Es wird aber selten öffentlich stark thematisiert oder analysiert. Daher wirkt es für den Leser von Unsterblich ist der Tod etwas befremdlich und fiktiv, wenn von Göhring-, Göbbels- und Himmleranhängern gesprochen werden, die in Schweden ihre Gesinnung ausleben.  Morten Lund versäumt es aber leider den Leser etwas intensiver in die Materie einzubinden. Weder Motivation, noch Gedanken der schwedischen Neonazis werden ausreichend herausgearbeitet, so dass für mich die drei Anhängerschaften nie authentisch wurden, sondern auf mich wie übertriebene Phantasien wirkten. Ich konnte nie richtig glauben, dass es so etwas geben soll. Morten Lund versucht hauptsächlich durch Fakten Authentizität zu schaffen, nicht durch Dialoge Authentizität zu entwickeln. Ein häufiges Problem, wenn Journalisten Romane schreiben. Der Leser erfährt viele Alltagsanekdoten aus dem Leben von NS-Größen, wie körperliche Leiden, Beziehungen zu Schweden oder ähnliches, was interessant und unterhaltsam wirkt. Echte Authentizität erlangt ein Roman meiner Empfindung nach aber nur, wenn der Leser mitfühlt und miterlebt, was weniger durch Fakten, als durch Dialoge oder Gedanken geschieht.

Trotz des zwischenzeitlichen Authentizitätsverlusts ist der Schwedenkrimi allerdings sehr unterhaltsam und spannend. Der sympathische Ermittler Kodi Blom, dessen witzige und ironische Dialoge immer wieder Highlights sind, ist ein angenehm unperfekter Protagonist und Schweden ist als Schauplatz spannender Krimis immer wieder lesenswert. Überraschende Wendungen und ein außergewöhnliches Motiv sorgen dafür, dass der Krimi nie langweilig wird, sondern immer ordentlich Tempo hat.

Fazit:

Unsterblich ist der Tod von Morten Lund ist ein lesenswerter Krimi, nicht nur für Schwedenfans. Das außergewöhnliche Umfeld der Handlung und die sich dadurch entwickelnden möglichen Motive sind etwas Besonderes, weil nich alltäglich. Ich hatte etwas Probleme, dem Autor die Handlung abzunehmen. Trotz viel vermitteltem Hintergrundwissen fehlte es mit hier und da etwas an Glaubwürdigkeit. Trotzdem hat mir der Krimi sehr gefallen und gebe drei von fünf Kreuzchen auf dem Kulturmeter.

Der 304-seitige Roman ist 2014 im LangenMüller Verlag erschienen (ISBN: 978-3-7844-3347-9).

kulturmeter3

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