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Rezension: …und ich will nicht gnädig sein! Von Wolfgang Wirth

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Der Titel kling unbarmherzig und erbittert. Und genau das ist der Protagonist von Wolfgang Wirths aktuellem Thriller …und ich will nicht gnädig sein!. Getrieben von der unsagbaren Ungerechtigkeit, die ihm widerfahren ist, zieht es Nick aus türkischer Haft zurück in die Heimat, um über die zur richten, die für sein zurückliegendes, bitteres Leben verantwortlich sind. Elf Jahre lang saß er unter unmenschlichen Bedingungen in einem Gefängnis in der Türkei. Gemartert von Mithäftlingen, Wärtern und der immer wiederkehrenden Fragen, ob er für den ihm zur Last gelegten Mord tatsächlich verantwortlich ist. Zusätzlich wird seine Vergeltungsdrang durch die bittere Enttäuschung darüber genährt, dass ihn damals seine Freunde so sehr im Stich gelassen haben.

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Ein von Vergeltungsdrang getriebener Plan

Elf harte Jahre liegen zurück. Damals wurde Nick nach einer durchzechten Nacht während eines Türkeiurlaubs mit seien Schulfreunden mit dem Tod der Tochter Ihres türkischen Gastgebers konfrontiert. Wenige Indizien, ein unfairer Gerichtsprozess und die Tatenlosigkeit seiner Begleiter sorgten für eine schnelle Verurteilung wegen Mordes mit hoher Haftstrafe. Seine Situation schien aussichtslos. Doch durch die Freundschaft mit dem neuen Häftling Joe wird Nick aus seiner Hoffnungslosigkeit gerissen. Gemeinsam mit dem Amerikaner schmiedet Nick einen spektakulären Ausbruchplan. Gejagt von der unnachgiebigen türkischen Justiz und der hasserfüllten Familie der Toten, beginnt für die beiden ein lebensgefährliches Roadmovie quer durch Osteuropa. Joes polizeilicher Erfahrungen, seinen Beziehungen und eine gehörige Portion Glück sorgen aber dafür, dass den beiden ihre tollkühne Flucht bis nach Deutschland gelingt.

In der alten Heimat angekommen startet Nick seinen Vergeltungszug. Nach und nach deckt er bei seinen inzwischen erfolgreich als Innenminister, Priester oder Autohändler lebenden ehemaligen Reisegefährten dunkle Geheimnisse auf, mit deren Veröffentlichungen er sie aus ihrem komfortablen Leben werfen möchte. Sein Vorhaben gerät aber jäh ins Stocken, als er in Jennys Leben tritt. Auch Sie steht als ehemalige Freundin in Nicks Fadenkreuz. Doch die Kriminalpolizisten kommt Nick auf die Spur und versucht seinen Rachefeldzug zu bremsen.

Ambitionierte Themenvielfalt

Wolfgang Wirth legt mit …und ich will nicht gnädig sein! einen temporeichen Thriller vor. Die elf Jahre zurückliegende Ausgangsstory ist ein authentischer Start zu einer abenteuerlichen Flucht zu Lande, zu Wasser und in der Luft, die in einem spannenden Rachefeldzug mit spektakulärem Showdown mündet. Wirth bremst den Spannungsbogen aber ein ums andere mal durch die Geschichten der Schulfreunde aus. Jedes dunkle Geheimnis der Antagonisten basiert auf einem aktuell diskutierten gesellschaftlichen Thema. Wirth thematisiert Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, unmenschliche Bedingungen in türkischen Gefängnissen, Flüchtlingspolitik, pervertierte Schönheitsideale, Blutrache und den Terror der IS. Die Fülle der Themen lässt es aber leider nicht zu, dass sie tief und authentisch in die Story eingebettet sind. Es wirkt gelegentlich etwas aufgesetzt und klischeehaft. So als ob der Autor sich einmal umfassend Luft zu den Problemen unsere Zeit machen wollte.

Die Vielfalt der aufgegriffenen Themen wäre auch gar nicht nötig gewesen. Die Story ist stark und originell genug. Wären die Leichen im Keller der Schulfreunde alltäglicher, hätte es der Glaubhaftigkeit der Geschichte nicht geschadet. Sie wäre dadurch vielleicht sogar mehr im Vordergrund gestanden.

Fazit:

…und ich will nicht gnädig sein! ist ein temporeicher, spannender und außergewöhnlicher Thriller. Auch wenn die vielen angerissenen gesellschaftlichen Themen streckenweise für etwas Orientierungslosigkeit sorgen, so ist das Buch absolut zu empfehlen. Auf dem Kulturmeter gibt es vier von fünf Kreuzen.

Wolfgang Wirths 348seitiger Thriller …und ich will nicht gnädig sein! ist im Juni 2018 selbst verlegt erschienen (ISBN 978-3746734637)

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