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Rezension: Er ist wieder da von Timur Vermes (Hörbuch)

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vermeseristwiederdahoerbuchrezension120Darf sich über Adolf Hitler und seine bestialische Rassentheorie lustig gemacht werden? Wer Timur Vermes‘ Hörbuch Er ist wieder da anhört, wird sich zwangsläufig diese Frage stellen.

Es ist der 30. August 2011. Mitten auf einem Berliner Bolzplatz erwacht ein 54jähriger Mann aus einem komaähnlichen Zustand. Er trägt eine alte Uniform und ein Oberlippenbart. Genauer gesagt einen zweifingerbreiten Oberlippenbart. Denn dieser Mann ist keine andere Person als Adolf Hitler, Führer und Reichskanzler des längst historischen Deutschen Reichs, der sich eigentlich am 30. April 1945 mit einem Kopfschuss selber richtete und verbrennen ließ. Eigentlich. Denn nun steht er wieder leibhaftig in Berlin. Mit Kopfschmerzen, einer nach Benzin stinkenden Uniform und zunächst sehr orientierungslos. Was genau passiert ist, weiß er nicht und – das darf vorweg genommen werden – wird er auch nie genau erfahren.

Sehr schnell versucht er die Kontrolle und seine alte Autorität wieder zu erlangen, was aber zunächst bei den anwesenden Jungen kläglich scheitert. Für die seiner Ansicht nach respektlosen Hitlerjungen ist er nur ein weiterer von vielen dubiosen Gestalten, die das Alltagsbild der Metropole widerspiegeln. So zieht er verwundert und verstört durch das neue Berlin und versucht zu begreifen, was seit Kriegsende mit seinem Deutschen Reich passiert ist. Noch während er die vielen modernen Errungenschaften versucht zu verstehen, plant er schon wieder sein politisches Comeback, denn Er ist wieder da!

Schnell kommt der wieder erwachte Führer mit den technischen Errungenschaften der letzten 65 Jahre in Kontakt. Fast schon kindlich entdeckt er Fernbedingungen, Handys, das „Internetz“ und  den kleinen „Mausapparat“, mit dem er den Computer bedienen kann. Hier gelingt es Timur Vermes , eine Vielzahl an bizarren Alltagssituationen zu beschreiben, die dem Leser immer wieder ein Lachen ins Gesicht zaubert.

Eine besondere politische Komik entsteht aber durch die absurden Realitätswahrnehmungen des Herrn Hitlers und seine dadurch wachsenden abwegigen Rückschlüsse. Die vielen Arbeitslosen Menschen, die durch die Modernisierung der Arbeitswelt entstehen, wertet er als Gewinn. Sie sind für Ihn frei verfügbare Soldaten für die Front. Abtreibung ist für ihn eine Schande. Nicht aus ethischen oder religiösen Gründen. Vielmehr macht er die legalisierten Abtreibungen dafür verantwortlich, dass jährlich tausende Buben  nicht zur Welt kommen und somit dem Militär etliche Divisionen fehlen. Höhepunkt der verworrenen Thesen ist seine Erkenntnis, dass die ihm am nächsten stehende Partei ausgerechnet die grüne Partei um Frau Künast ist, während die NDP für ihn eine nichtsnutzige Schande für die Deutschen bedeutet.  Immer wieder versucht Herr Hitler seine persönliche Orientierungslosigkeit in der neuen Realität mit seiner tief verwurzelten rassentheoretischen und kriegerischen Weltanschauung zu erklären, was dazu führt, dass er nur als Comedian  ernst genommen wird. Vermes gelingt so eine sehr anschauliche  Metapher für die populistisch-politischen Strömungen der aktuellen Gegenwart, in der immer mehr Menschen ihre Ängste und Sorgen, aber auch ihren rechts-, wie linkspolitschen Egoismus nur noch mit extremen Ansichten verarbeiten können, auch wenn diese rational betrachtet nicht ernst zu nehmen sind.

Das Hörbuch wird gesprochen vom Comedian Christoph Maria Herbst, der vielen von seiner gemeinen, egoistischen, hetzenden und biederen Figur des Strombergs bekannt ist. Er stellt sehr authentisch den Herrn Hitler dar und meistert erstklassig das rollende R und den zackigen Gesprächsfluss. Ein idealer Sprecher für dieses Hörbuch.

Fazit:

Wenn man es schafft, sich von der neuen deutsche Tugend der Dauerbetroffenheit zu lösen, dann erkennt der Leser in diesem Buch durchaus mehr, als nur ein politisch naives (SZ vom 09.01.2013)  und dummes (TAZ vom 26.03.2013) Satirewerk, das man nur komisch findet, wenn man es gleichzeitig als problematisch kategorisiert (FAZ vom 6.11.2012). Er ist wieder da ist ein Meisterwerk der politischen Komik, weil es mit dem Mittel einer einfachen, lustigen und absurden Geschichte ohne Lehrbuch- und Fingerzeiganspruch die naive Schmucklosigkeit der politischen Populisten unserer Zeit aufzeigt und somit ihre abstrusen Theorien ad absurdum führt.

Ein absolut empfehlenswerter Hörgenuss  für Liebhaber des schwarzen Humors, den Ihr über Audiokegel.de noch rechtzeitig als Weihnachtsgeschenk bestellen könnt. Ich vergebe alle fünf Kreuzchen auf dem Kulturmeter. Ein ideales Weihnachtsgeschenk.

kulturmeter5

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