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Fjodor Michailowitsch Dostojewski – Werke und Einfluss

„Aus hundert Kaninchen wird niemals ein Pferd und aus hundert Verdachtsfällen niemals ein Beweis.

Von Fjodor Michailowitsch Dostojewski (1821-1881) ist mehr überliefert als nur ein paar kluge Zitate in seinen vielen literarischen Werken. Der russische Dichter schrieb insgesamt neun Romane und zahlreiche Novellen sowie Erzählungen und bildet darin besonders eindrucksvoll die Konflikte der damaligen Zeit des russischen Kaiserreiches ab. Damit gilt er als einer der großen Psychologen der Weltliteratur und darüber hinaus zu den einflussreichsten Schriftstellern in Russland sowie international. Ebenso vielseitig wie sein Werk ist auch sein Leben, welches ihn zeitweise auch nach Deutschland geführt hat.

Ein bewegtes Leben

Dostojewski verbrachte seine ersten Jahren im heutigen Weißrussland und lernte schon früh das Lesen von seiner Mutter. Er war schnell von Texten und Büchern fasziniert und las neben diversen russischen Autoren auch zeitgenössische populäre Unterhaltungsliteratur. Auch die französische Sprache hatte einen großen Stellenwert in der Familie und so wurde Dostojewski früh mit Voltaire vertraut. Dies sollte ihn auch in seinem Studium begleiten, bei dem er sich mit russischer und französischer Literatur sowie Ingenieurwissenschaften beschäftigte.

Er begann eine Laufbahn als Militäringenieur, brach diese aber ab und konzentrierte sich fortan ganz auf eine literarische Karriere. Bereits im gleichen Jahr konnte er mit seinem Briefroman „Arme Leute“ einen großen Erfolg verbuchen. Gerade wegen der Nähe des Werks zum Alltag der Menschen und der Einfachheit seiner Sprache wurde das Werk enthusiastisch aufgenommen.

Schnell stieg Dostojewski in Kreise von Intellektuellen auf, darunter auch Vertreter des sogenannten utopischen Sozialismus. Durch diese Bekanntschaften kam es 1849 neben vielen Mitgliedern der Gruppe auch zu einer Verhaftung Dostojewskis und zu einer Verurteilung zum Tode, die allerdings in letzter Minute in sibirische Strafgefangenschaft abgewandelt wurde. Dort schwor Dostojewski allen früheren politischen Gesinnungen ab und ließ sich drei Jahre nach seiner Freilassung 1854 in Sankt Petersburg nieder, wo die Verhältnisse mittlerweile ruhiger und freier geworden waren.

Die großen Romane

Ab 1867 erschienen sechs große Romane Dostojewskis, die damals eine große Inspiration für viele weitere russische Kulturschaffende darstellten und nach wie vor darstellt, darunter auch der Nationalpoet Alexander Puschkin (1799-1837), Begründer der modernen russischen Literatur. Somit erstreckte sich sein literarischer Einfluss nicht nur auf die Gesellschaft, sondern auch auf die Intellektuellen der damaligen Zeit.

Als besonders beeindruckend gilt Dostojewskis Roman „Der Spieler“, gleichzeitig auch sein einziger Roman, der nicht in einer Zeitschrift erschien. Dostojewski hatte im Juni 1865 aus Geldsorgen einen Vertrag mit einem Verleger geschlossen, dass er den druckfertigen Roman von mindestens zehn Druckbögen bis Ende Oktober 1866 liefern würde. Nachdem er bis Anfang Oktober keine Zeile zustande gebracht hatte, diktierte er den Roman innerhalb von 26 Tagen einer Stenografin, der er daraufhin einen Heiratsantrag machte. Sie war es auch, die es ihm ermöglichte, den Roman fristgerecht abzuliefern, da der Verleger die Stadt kurz vor Ablauf der Zeit verließ, um Dostojewski die Abgabe unmöglich zu machen. Sie hinterlegte das Manuskript bei einem Notar, der die termingenaue Abgabe bestätigte.

Um den steigenden Geldsorgen Herr zu werden, reiste das Paar anschließend durch Deutschland und die Schweiz. In dieser Zeit, Ende der 1860er und Anfang der 1870er Jahre entstanden die Romane „Der Idiot“ sowie „Die Dämonen“. Seinen letzten Roman, gleichzeitig auch sein komplexestes und umfangreichstes Werk „Die Brüder Karamasow“, beendete Dostojewski schließlich 1880, nachdem sich sein gesundheitlicher Zustand stetig verschlechtert hatte. Noch im Frühjahr des folgenden Jahres 1881 verstarb er an Lungenblutungen.

Nachwirken

In Dostojewskis Werken werden viele unterschiedliche literarische, gesellschaftliche und politische Strömungen vereint. Einflüsse russischer Autoren lassen sich ebenso finden wie Einflüsse aus der Aufklärung, dem Sentimentalismus sowie immer einer Übertreibung dieser Stile bis ins Groteske und Skurrile. Häufig verarbeitete er auch autobiografische Elemente in seinen Werken, so verbrachte er selbst wie sein Protagonist im Roman „Der Spieler“ viele Stunden in Spielcasinos im Badischen und sein Roman „Die Brüder Karamasow“ lässt die Interpretation zu, er habe Schuldgefühle am frühen Tod seines Vaters empfunden.

Zudem zeichnen sich seine frühen Werke besonders durch ihre Zugänglichkeit und Einfachheit in der Sprache aus, während spätere Werke, besonders sein letzter großer Roman, viele unterschiedliche Personen und Ereignisse zu einem komplexen Konstrukt verweben, was dem Werk den Beinamen des gewaltigsten Romans der Weltliteratur (Siegmund Freud) eingebracht hat. Und auch Dostojewskis Einfluss auf die Philosophie und Psychologie ist ungebrochen. Nicht nur orientierten sich Friedrich Nietzsche, Jean-Paul Sartre und Albert Camus an seinen Werken und Ideen, auch der 2006 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnete türkische Schriftsteller Orhan Pamuk zeigt Einflüsse, die auf Dostojewskis Ideen über die Gesellschaft zurückzuführen sind.

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